13.03.2018

Manfred Diez, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Licht und Geschäftsführer RIDI Leuchten GmbH

Herr Diez, wir wissen: am Anfang war das Licht. Welche Bedeutung hat (das elektrische) Licht für unser Leben?


Die Geschichte der Elektrifizierung ist eng mit der des elektrischen Lichts verknüpft. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden Städte wie Paris und New York in Teilen mit elektrischem Strom beleuchtet. Die erste dauerhafte elektrische Straßenbeleuchtung in Deutschland wurde am 7. Juni 1882 in Nürnberg in Betrieb genommen, einige Monate später folgte in Berlin die Beleuchtung des Potsdamer Platzes. Heute hält die energieeffiziente LED-Technologie auch im öffentlichen Raum Einzug.

Licht bedeutet schon immer Sicherheit. Durch moderne Technologien trägt es aber auch dazu bei, dass Städte schöner und umweltfreundlicher werden. Und selbstverständlich auch unsere Innenräume – ob am Arbeitsplatz oder zuhause.

Licht dient nicht nur dem Sehen, sondern beeinflusst in hohem Maße Gesundheit, Wohlbefinden und Vitalität der Menschen. Der Schlüsselbegriff hierfür lautet „Human Centric Lighting“. Dabei geht es darum, Licht geplant, zielgerichtet und langfristig zur Unterstützung der Menschen einzusetzen. Licht wirkt – visuell, emotional und biologisch.

 

Die Digitalisierung macht vor dem Licht nicht halt. LED erweitert die Einsatzmöglichkeiten von Licht. Was sind die Trends?


In Deutschland werden mittlerweile bei der Beleuchtung im gewerblichen, industriellen und kommunalen Sektor drei Viertel der Leuchten mit LED-Technik verkauft. Der Markt hat sich schneller gewandelt als erwartet – ein Zeichen dafür, dass die Vorteile der LED-Technologie wie das hohe Energieeinsparpotenzial, die lange Lebensdauer, verbunden mit den Kosteneinsparungen bei Betrieb und Wartung, bereits im Markt etabliert sind.

Mit LED lassen sich auch die Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpfen: Vernetzte Beleuchtungsanlagen reagieren selbstständig auf Veränderungen in der Umgebung. Der Nutzer kann sie natürlich auch nach seinen ganz persönlichen Bedürfnissen einstellen. Licht und das Lichtnetz sind Teile des Internets der Dinge. Wir sind auf dem Weg zu Smart Lighting.

Im Rahmen der im März stattfindenden Light + Building wird man viele smarte Lichtlösungen sehen können – auch am Stand der ZVEI-Brancheninitiative licht.de. Im ZVEI-Technologieforum diskutieren Experten ausführlich über die Bedeutung der Digitalisierung für die Lichtbranche und Konzepte wie HCL.

Vor welchen Herausforderungen steht die Lichtbranche?

Die Digitalisierung und Vernetzung von Beleuchtungssystemen wird in den kommenden Jahren sicher die größte Herausforderung sein. Im Moment existiert eine Vielzahl von proprietären Systemen im Markt, die eine schnelle Verbreitung gesteuerter Beleuchtungssysteme behindern. Hinzu kommt die Vernetzung der Beleuchtung mit Systemen aus anderen Gewerken im Smart Home, Smart Building oder der Smart City. Digitalisierung und Vernetzung stellen auch den Kunden vor neue Herausforderungen, der nun entscheiden muss, auf welches System er setzen möchte. Es muss möglich sein, zukunftssicher zu planen – für Hersteller und Kunden. Interoperabilität der Systeme ist ein Muss.

Auf welche Innovation möchten Sie persönlich nicht verzichten, welche hat Ihr Leben am meisten beeinflusst?


Die Digitalisierung und damit einhergehend die Vernetzung im Internet of Things ändert unser Leben sowie die Geschäftswelt von Grund auf. Ein Ende dieser Entwicklung ist heute noch nicht absehbar.

Für mich persönlich mittlerweile unverzichtbar ist das Smartphone als Bindeglied zwischen Arbeit und Freizeit, Familie und Freunden. Gut und sinnvoll eingesetzt, verschafft es mir Freiräume, die zu nutzen vor wenigen Jahren noch nicht möglich gewesen wären.