Zehn Unterschriften für 100 Jahre

Waldemar Titzenthaler, Berlin Kaiser Wilhelm Bruecke 1900, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

"Die Zukunft der einzelnen europäischen Nationen kann nicht mehr durch Verschärfung der Gegensätze zu ihren Nachbarn, nicht durch eine noch so schwere Waffenrüstung, nicht durch Absperrung der Grenzen gegen Verkehr und Güteraustausch, sondern nur durch Zusammenarbeit wirtschaftlich, kulturell und politisch sichergestellt werden. Die Voraussetzungen in den Seelen der Nationen sind dafür gegeben, es gibt gute Europäer in allen Ländern und in großer Zahl, sie müssen sich nur dessen bewusst werden und danach handeln."

Hans von Raumer, Hauptgeschäftsführer des ZVEI, 1925*

Nachdem mit Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 der "Kriegsausschuss der Deutschen Industrie" gegründet worden war mit dem Ziel der Rohstoffversorgung und Zusammenfassung der industriellen Produktivkräfte, lag es nahe für die maßgebenden Industriezweige entsprechende Gremien zu gründen, so also im Jahre 1916 den "Kriegsausschuss der Elektrotechnischen Industrie". Er sollte die Elektroindustrie gegenüber den zuständigen Behörden vertreten. Zu seinen Aufgaben gehörten vor allem die Sicherstellung des Rohstoffbedarfs, Rohstoffverteilung, Auftragslenkung und gemeinsame Preisstellung gegenüber den staatlichen Stellen. Im Sinne der Schlagkraft der Interessenvertretung hätten eigentlich jetzt die beiden Verbände (Interessenvereinigung der Elektrizitätsfirmen und VES) zusammengehen müssen. Aus sachlichen und aus persönlichen Gründen beschloss man jedoch, eine neue, von den bestehenden Vereinigungen völlig unabhängige Organisation zu schaffen, um in ihr alle, die gesamte Elektroindustrie angehenden Fragen zu behandeln. So gründete man also noch während des Krieges in Berlin am 5. März den "Zentralverband der deutschen elektrotechnischen Industrie".

"An diesem Tag kamen zehn Industrielle aus dieser Branche zu einer Sitzung im Hotel Bristol, Unter den Linden 5-6, zusammen. Auf der Tagesordnung stand der Punkt 'gegebenenfalls Gründungsversammlung für den neuzugründenden eingetragenen Verein'. Die Gründung vollzog sich ganz unspektakulär, ohne große Feier, mit der Unterschrift der Teilnehmer unter ein Protokoll mit beigefügter Satzung." (Prof. Johannes Bär, ZVEI-Impulsvortrag)

Unterzeichnet haben:

  • Dr. Hugo Cassirer (Dr. Cassirer & Co. AG, Berlin; 1941 umbenannt in Märkische Kabelwerke AG) 
  • Felix Deutsch (AEG, Berlin)
  • Dr. Heinrich Garbe (Deutsche Elektrizitätswerke zu Aachen, Garbe, Lahmeyer & Co.) 
  • Adolf Haeffner (Voigt & Haeffner AG, Frankfurt am Main). 
  • Dr. Jacobus Hissink (Bergmann-Elektricitätswerke AG, Berlin) 
  • Dr. William Meinhard (Deutsche Gasglühlicht AG, Berlin; 1938 umbenannt in Deutsche Auergesellschaft AG) 
  • Dr. Paul Meyer (Dr. Paul Meyer AG, Berlin)
  • Dr. Erich Sieg (Accumulatorenfabrik Gottfried Hagen AG, Köln) 
  • Carl-Friedrich von Siemens (Siemens & Halske AG/Siemens-Schuckertwerke GmbH, Berlin) 
  • Dr. Georg Wolf (C. Lorenz AG, Berlin) 

Erfahren Sie hier mehr darüber, was diese Männer damals veranlasste, während des Ersten Weltkriegs, einen Zentralverband der Elektroindustrie zu gründen: ZVEI-Impulsvortrag von Prof. Johannes Bär.

 

 * Hans von Raumer, Wir Europäer, in: Bosch-Zünder 11/1925, S. 266 (zitiert nach: Peter Theiner, Robert Bosch. Unternehmer im Zeitalter der Extreme. Eine Biographie, München 2017, S. 215)

 

Präsidenten des ZVEI - 1918 bis heute